Hallo!
Deine Frage gehört zu denen, die am meisten gestellt werden - und die Antwort kann auch unter entschiedenen, treuen Jesus-Nachfolgern völlig unterschiedlich aussehen. Der Herr Jesus hat diese Frage leider nicht so exakt beantwortet, wie man(che) es gern hätten. Beide Richtungen begründen ihre Überzeugung aus den Worten der Heiligen Schrift, der Bibel. Auch wenn auf den ersten Blick die Antworten sehr gegensätzlich wirken, sind sie es letztlich nicht.
Ich gehöre zu denen, für die die Bibel die besseren Argumente gibt, dass man sein Heil wieder verlieren kann. Etwas ausführlicher begründe ich es unten und auf Rückfragen gern noch genauer. In Kürze: Wenn ich mein Heil nicht verlieren könnte, müsste Jesus mich nicht so eindringlich davor warnen, mich verführen zu lassen, wie er es in der Endzeitrede (Matthäus, Offenbarung) tut. Was ich aus der Bibel jedoch herausslese, ist: Gott wird sich nie von mir scheiden lassen. Er bleibt treu, auch wenn ich untreu bin.
Aber er wird mich auch nie gegen meinen Willen an sich binden. Jesus nennt die Sünde gegen den Heiligen Geist als die einzige Sünde, die nicht vergeben werden kann. Das ist nach meiner Überzeugung dann der Fall, wenn einer ein Kind Gottes geworden ist, den Heiligen Geist bekommen hat und dann sagt: Mit Gott will ich nichts mehr zu tun haben, seinen Geist will ich nicht länger in mir haben. Was auch immer einen Menschen dazu bringt - einmal musste ich es erleben, wie mir das ein Mitarbeiter so klar sagte "Mit diesem Gott will ich nichts mehr zu tun haben" - Gott akzeptiert auch diese Entscheidung. Aber damit bin ich dann Gott wieder los.
So viel als kurze Antwort. Die ausführlichere folgt jetzt.
Biblische Bestandsaufnahme:
Bibelstellen die für die Unverlierbarkeit des Heils herangezogen werden:
- Joh 10,27-29
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen.
- Röm 8,31-39
Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? 32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben — wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? 33 Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. 34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
- Röm 11,29
Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.
- 1. Kor 1,8
Der wird euch auch fest erhalten bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus.
- Phil 1,6
dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.
- 1. Petr 1,3-5
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, 4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, 5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.
- 1. Joh 2,19
Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns. Denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie ja bei uns geblieben; aber es sollte offenbar werden, dass sie nicht alle von uns sind.
- 1. Joh 3,6.9
Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt.
9 Wer aus Gott geboren ist, der tut keine Sünde; denn Gottes Kinder bleiben in ihm und können nicht sündigen; denn sie sind von Gott geboren.
- Hebr 10,14
Denn mit einem Opfer hat er für immer die vollendet, die geheiligt werden.
[/list]
Bibelstellen, die von der Verlierbarkeit des Heils sprechen:
- Hebr 6,4-6
Denn es ist unmöglich, die, die einmal erleuchtet worden sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und Anteil bekommen haben am Heiligen Geist und geschmeckt haben 5 das gute Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt 6 und dann doch abgefallen sind, wieder zu erneuern zur Buße, da sie für sich selbst den Sohn Gottes abermals kreuzigen und zum Spott machen.
- Hebr 10,26-31
Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir hinfort kein andres Opfer mehr für die Sünden
- Hebr 10,35-39
Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. 36 Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. 37 Denn »nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht lange ausbleiben. 38 Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm«. 39 Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen und verdammt werden, sondern von denen, die glauben und die Seele erretten.
- Hebr 12, 16-17
dass nicht jemand sei ein Abtrünniger oder Gottloser wie Esau, der um der einen Speise willen seine Erstgeburt verkaufte. 17 Ihr wisst ja, dass er hernach, als er den Segen ererben wollte, verworfen wurde, denn er fand keinen Raum zur Buße, obwohl er sie mit Tränen suchte.
- 1. Joh 5,16
Wenn jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde nicht zum Tode, so mag er bitten und Gott wird ihm das Leben geben — denen, die nicht sündigen zum Tode. Es gibt aber eine Sünde zum Tode; bei der sage ich nicht, dass jemand bitten soll.
- Mt 12,31-32
Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. 32 Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.
- Mt 18,23-35
Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. 24 Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig. 25 Da er’s nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit zu bezahlen.
26 Da fiel ihm der Knecht zu Füßen und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s alles bezahlen. 27 Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch. 28 Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du mir schuldig bist! 29 Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s bezahlen. 30 Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.
31 Als aber seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte. 32 Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; 33 hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? 34 Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war. 35 So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.
- Mt 25,1-13
1 Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. 2 Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. 3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. 4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.
5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. 6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. 8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.
9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst. 10 Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen,
11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! 12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13 Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.
- Joh 15,6
Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.
- 2. Mose 32,33
Der Herr sprach zu Mose: Ich will den aus meinem Buch tilgen, der an mir sündigt.
- 2. Petr 2,20-22
Denn wenn sie durch die Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus entflohen sind dem Unrat der Welt, werden aber wiederum in diesen verstrickt und von ihm überwunden, dann ist’s mit ihnen am Ende ärger geworden als vorher. 21 Denn es wäre besser für sie gewesen, dass sie den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt hätten, als dass sie ihn kennen und sich abkehren von dem heiligen Gebot, das ihnen gegeben ist. 22 An ihnen hat sich erwiesen die Wahrheit des Sprichworts: Der Hund frisst wieder, was er gespien hat; und: Die Sau wälzt sich nach der Schwemme wieder im Dreck.
- Markus 13,13 (Mt 24,13)
Und ihr werdet gehasst sein von jedermann um meines Namens willen. Wer aber beharrt bis an das Ende, der wird selig.
- Jakobus 1,25
Wer aber durchschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und dabei beharrt und ist nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig sein in seiner Tat.
Fazit
1. Die Bibelstellen, die dafür herangezogen werden, dass man sein Heil nicht verlieren kann, stehen größtenteils für die Treue Gottes, trotz menschlichen Versagens / Sündigens. Sie betonen, dass Gottes Handeln in Jesus ein vollkommenes, allumfassendes Tun ist, dass unter allen Umständen gültig bleibt. Gottes Heilsangebot ist dabei eine einseitige, göttliche Willenserklärung, die auf eine Antwort / Annahme wartet.
2. Der biblische Befund, dass man sein Heil verlieren kann, ist da eindeutiger. Zu klar sind die Hinweise und Folgen beschrieben, die die Abkehr eines Gläubigen von Gott nach sich ziehen.
So klar und eindeutig wie Gottes Willenserklärung für unser Heil ist, so klar und eindeutig muss der Mensch auf dieses Angebot eingehen.
Dabei ist es letztlich kein sachlicher Geschäftsakt, sondern eine Beziehungsfrage. Gott möchte in Beziehung zu uns leben - unabhängig von unserer Leistung und unseren Taten. Es geht um die Beziehungsfrage: Wollen wir mit Gott leben. Und dann muss dieses Miteinander gestaltet und gelebt werden, damit es am Leben bleibt!
3. Gegen die „Unverlierbarkeit“ des Heils spricht, dass Gott seit der Schöpfung niemals seine Menschen dazu gezwungen hat, mit ihm leben zu müssen. Dafür standen die verbotenen Bäume im Paradies, die die Option für Ungehorsam und damit für die Möglichkeit einer Entscheidung gegen Gott standen.
Ebenso zwingt Jesus keinen dazu, mit ihm leben zu müssen, nur weil man einmal Ja gesagt hat. Das wäre keine Liebe, sondern Zwang. Allein der Aspekt der Liebe widerspricht dem Gedanken, mit Gott in der Ewigkeit leben zu müssen, auch wenn man es nicht mehr will. Bedenke: Als die Masse sich von Jesus abwandte, stellte er seine Jünger vor die Wahl: „Wollt ihr auch gehen?“ Jesu Prinzip ist nicht Zwang, sondern Liebe.
Auch wäre die Warnung von Jesus „sich nicht verführen zu lassen“ unnötigen, wenn es die Gefahr des Abfalls nicht gäbe. Die Hauptwarnungen in der Endzeitrede Jesu und in der Offenbarung drehen sich um die Verführung, um das bewusste loslassen von Jesus. Nicht Jesus lässt mich los (siehe 4.) - ich lasse los.
4. Die einseitige Treue Gottes (2. Timotheus 2,13 -> sind wir untreu, so bleibt er doch treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.) gibt uns Heilssicherheit. Denn nichts und niemand (Röm 8) kann uns von dieser Liebe trennen. Solange ich bei Jesus (in der Beziehung mit ihm) bleiben will, wird er mich festhalten - egal, was meine Beziehung zu ihm auch belastet hat. Im Bild einer Scheidung gesprochen: Selbst wenn ich Jesus verlasse, mich von ihm scheide, bleibt er der auf meine Rückkehr Wartende. Er ersetzt mich nicht durch jemanden anderen. Denn nichts kann mich von der Liebe Gottes trennen - außer ich verlasse sie auf eigenen Wunsch.
5. Die Sünde gegen den Heiligen Geist kann nur eine bewusste Entscheidung gegen Jesus, bzw. die Absage an die vorhandene Nachfolge Jesu sein. Der Heilige Geist ist Jesus in uns. Wenn wir ihn nicht in uns haben wollen, weil wir keine Beziehung zu Gott mehr haben wollen, dann haben wir das Heil verloren. Das kann auch ein langsamer, schleichender Prozess sein. Am Ende steht immer die bewusste Entscheidung: „Ich WILL nicht mehr mit Jesus leben“
Darum gilt:
Jeder, der sich sorgen macht, Angst hat, dass er die Sünde gegen den Heiligen Geist getan haben könnte, hat sie sicher nicht gemacht! Wer sich bewusst von Gott abgekehrt, fühlt sich wohler und freier ohne Gott, wird ihn nicht vermissen, will ihn ja nicht mehr in seinem Leben haben. So jemand stellt diese Frage ziemlich sicher überhaupt nicht mehr!
Wen jedoch diese Sorge umtreibt, zeigt damit, dass ihm die Beziehung zu Jesus wichtig und ihm Jesus ist - und da gilt: NIEMAND kann sie aus meiner Hand reißen.