Was bedeutet es, im Namen Jesu zu beten?

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creedleuser
Beiträge: 3
Registriert: 26.12.2025, 00:31

Was bedeutet es, im Namen Jesu zu beten?

Beitrag von creedleuser »

Mit großer Unsicherheit, manchmal auch mit falscher Überzeugung fügen Gläubige ihrem Gebet die Formel "im Namen Jesu" an.
Was bedeutet es so zu beten?
Bibellehrer
Beiträge: 8
Registriert: 18.11.2025, 22:26

Re: Was bedeutet es, im Namen Jesu zu beten?

Beitrag von Bibellehrer »

Kurz geantwortet:

Im Namen Jesu zu beten, ist mit einer großen Verheißung verbunden. Jesus hat versprochen, dass wir empfangen werden, worum wir in seinem Namen bitten. Doch „im Namen Jesu“ ist keine Formel, die wir unseren Gebeten einfach hinzufügen können.

Echtes Beten im Namen Jesu hat untrennbar mit Beziehung und Verantwortung zu tun. Denn ich kann nur dann in seinem Namen beten, wenn ich seinen Willen kenne – und ihn nicht mit meinen eigenen Wünschen verwechsle.


ausführliche Antwort

Dreimal macht der Evangelist Johannes dem Bibelleser Mut, indem er sagt, dass man alles bekommen kann, was man im Namen Jesu erbittet (Johannes 14,13 &14 *1 und Johannes 16,23 *2) Doch: Wie oft erlebst du das tatsächlich? Gibt es einen Kniff, damit es richtig funktioniert?

Die Antwort hat entscheidend mit Verantwortung und Beziehung zu tun. Denn der Schlüssel liegt darin, dass die Verheißung der Gebetserhörung nicht daran geknüpft ist, was mir wichtig ist, sondern was Jesus wichtig ist. Bei manchen Christen kommt es vor, dass sie immer dann, wenn ihnen ein Anliegen besonders wichtig ist, ihr Gebet zum Beispiel mit der Formel beenden: „Das bete ich jetzt im Namen Jesu. Amen.“ Verlockend ist die Steilvorlage, die Johannes uns hier gibt, indem er Jesus zitiert und sagt, dass wir so beten sollen. Aber warum funktioniert das oft nicht? Der Hauptgrund dürfte darin liegen, dass wir genau wissen, was wir wollen, und dieses dann – bewusst oder unbewusst – Jesus in den Mund legen.

Bitten im Namen Jesu – wie geht das?

Vor meiner Zeit als Theologe lernte und arbeitete ich bei einer Bank. Nach meiner Ausbildung bekam ich meine erste kleine „Prokura“. Das heißt, ich durfte im Namen der Bank genau geregelte Vollmachten ausüben und im Namen der Bank bestimmte Belege unterschreiben. Das ist in allen Geschäftsbereichen ähnlich: Je höher man in der Hierarchie steigt, umso mehr Prokura beziehungsweise Vollmachten bekommt man. Dabei ist genau festgelegt, was man „im Namen seines Arbeitgebers“ unterschreiben darf. Wer ohne entsprechende Legitimation mehr unterschreibt, dessen Unterschrift ist rechtlich wirkungslos. Und gegenüber demjenigen, der ihm die Vollmacht erteilt hat, macht er sich damit schuldig und kann unter Umständen verklagt werden.

Das Beispiel macht deutlich, dass „im Namen eines anderen etwas tun“ vor allem mit Beziehung und Verantwortung zu tun hat. Nichts anderes regelt zum Beispiel auch eine Patientenverfügung, die jeder Mensch haben sollte. Darin legt man fest, mit welchen Rechten man vertraute Menschen ausstattet, für einen selbst Entscheidungen zu treffen, wenn man dazu nicht mehr in der Lage ist.

Bitte im Namen Jesus – eine Beziehungsfrage

Damit dürfte klar sein: „Im Namen eines anderen“ etwas zu tun, ist unmöglich, wenn man keine Beziehung zu dieser Person hat. Ebenso klar wird, wie groß die Verantwortung ist, die damit verbunden ist. Dasselbe trifft auch auf die „Prokura“ zu, die Jesus hier anspricht. Aus dem Zusammenhang der Texte wird deutlich, dass Jesus diese Worte zu Menschen sagt, die in einer engen Beziehung zu ihm leben:

Glaubt es mir, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist. Wenn ihr immer noch nicht davon überzeugt seidj, dann glaubt es doch aufgrund von dem, was durch mich geschieht. Ich versichere euch: Wer an mich glaubt, wird die Dinge, die ich tue, auch tun; ja er wird sogar noch größere Dinge tun. Denn ich gehe zum Vater, und alles, worum ihr dann in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit durch den Sohn die Herrlichkeit des Vaters offenbart wird. Wenn ihr mich in meinem Namen um etwas bitten werdet, werde ich es tun.« (Johannes 14,11-14 ).

Hier steht die Aussage in dem Zusammenhang, dass Jesus seinen Jüngern erzählt, wie sehr er und der Vater eins sind: "dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist“ (Johannes 14, 11). Eine engere Beziehung kann es nicht geben. Jesu Vollmacht – wenn man so will: seine „Prokura“ – lag also in seinem Gottessohnsein. Deshalb konnte Jesus sagen:

„Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.“ (Johannes 12,45)

„Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Johannes 14,9)

„Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10,30)


Davon ausgehend sagt Jesus zu seinen engsten Vertrauten:

„Ich versichere euch: Wer an mich glaubt, wird die Dinge, die ich tue, auch tun; ja er wird sogar noch größere Dinge tun. Denn ich gehe zum Vater.“ (Johannes 14,12)

Jesus sagt seinen Jüngern damit zu, dass sie sogar mehr tun können als er. Da kein Jünger für die Schuld anderer Menschen sterben kann, ist diese Aussage sicher nicht qualitativ, sondern quantitativ zu verstehen. Denn während Jesus seinen Auftrag zunächst auf Israel begrenzt sah, beauftragte er seine Jünger damit, in die ganze Welt zu gehen (Matthäus 15,24, Matthäus 28,19). Jesus übergab damit die Verantwortung für die ganze Welt in die Hände seiner Vertrauten, seiner Jünger. Und jetzt haben wir die beiden entscheidenden Schlüssel: Beziehung und Verantwortung

Beten im Namen Jesu - Beziehung und Verantwortung!

Je enger eine Beziehung ist und je vertrauter man miteinander ist, umso besser versteht man sich auch nonverbal. Ein Blick reicht dann oft schon, und man weiß, was der andere will. Gleichzeitig spürt man aber auch die Verantwortung stärker, je enger die emotionale Beziehung ist. Als ich auf der Bank meinen ersten Verantwortungsbereich übertragen bekam, bestand das zunächst aus einem Stempel und einer Urkunde, die mir mein Vorgesetzter überreichte. Ein bisschen Stolz war anfangs schon dabei. Aber letztlich war es mein Arbeitgeber, und wer den Stempel wo und in welcher Abteilung benutzen durfte, wusste ich nicht und kannte ich nicht.

Wenn es jedoch darum geht, zum Beispiel im Rahmen einer Patientenverfügung zu entscheiden, wann Ärzte medizinische Geräte abstellen sollen, werden sehr viele Gefühle mitspielen. Man wird sich mit einer solchen Entscheidung wesentlich schwerer tun. Deutlich wird damit aber eines: Wenn ich im Namen Jesu den Vater um etwas bitte, das er mir geben soll, dann kann das nur etwas sein, von dem ich mir ganz sicher bin, dass Jesus es genauso sieht und auch so erbitten würde.

Wenn ich „im Namen Jesu“ nur als Formel oder als Nachdruck für meine eigenen Wünsche ausspreche, ist das fast so etwas wie Urkundenfälschung. Denn ich bete, dass Jesus etwas will, obwohl in Wirklichkeit nur ich es will. Und hier spüren wir die Verantwortung, die mit dieser Verheißung verbunden ist: die Verantwortung, sicher zu sein, dass das, was ich erbitte, auch zu hundert Prozent dem entspricht, was Jesus jetzt ebenfalls erbitten würde. Das hört sich nun so an, als sei es mit dieser Bitte sehr anstrengend und irgendwie kompliziert. Ist es aber nicht. Das möchte ich zum Schluss an ein paar Beispielen deutlich machen.

Beten im Namen Jesu – einfach und schwer

Ganz einfach „im Namen Jesu bitten“ geht immer dann, wenn ich zum Beispiel darum bete, dass Menschen Jesus erkennen, die Bibel verstehen und zum Glauben an Gott kommen. Das kann ich immer mit diesem Zusatz beten, denn Gott will, dass alle Menschen ihn erkennen (1 Timotheus 2,4; Johannes 3,16): Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Wenn ich jedoch um Heilung, gute Entscheidungen oder Wunder bete, darf ich das immer in meinem eigenen Namen tun. Im Namen Jesu kann ich es nur dann tun, wenn ich mir sicher bin, dass Jesus jetzt dieses Heil oder dieses Wunder tun will. Und da geht es um die Beziehungsebene: Je enger meine Beziehung zu Jesus ist, umso eher wird sein Heiliger Geist mir zeigen, wo ich konkret um ein Wunder beten darf.

Ich denke dabei zum Beispiel an Petrus, der einmal von einem Bettler um Geld gebeten wird. Petrus war ein Jünger, der meiner Beobachtung nach so eng mit Jesus unterwegs war, wie kein anderer. Er antwortet dem Bettler: „Silber habe ich nicht, und Gold habe ich nicht; doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen von Jesus Christus aus Nazaret – steh auf und geh umher!«“ (Apostelgeschichte 3,6)

Ich bin davon überzeugt, dass der Heilige Geist jedem Jünger so deutlich und klar sagen und zeigen wird, wenn ein solches Gebet einmal dran ist. Erzwingen kann das niemand. Einzig an unserer Beziehung zu Jesus können wir die Weichen dafür stellen, ob Gott uns für solche besonderen Wunder einsetzen kann oder nicht. Denn in Beziehung zu Jesus zu leben heißt, seinen Willen zu tun – und damit auch seine Gebote zu halten. So sagte Jesus zum Beispiel direkt nach der Verheißung, dass er Gebete erhören wird, die in seinem Namen gesprochen werden (Johannes 14,15).
Jede Sünde, jeder eigene Weg trübt unsere Beziehung zu Jesus und dämpft den Geist Gottes (1. Thessalonicher 5,19). Dadurch können wir auch dazu verleitet werden, eher in unserem eigenen Namen zu beten als im Namen Jesu.

Natürlich dürfen wir immer – und ohne jede Vorgabe alles von Jesus erbitten, weil er uns liebt und versteht. Aber gerade aus Liebe zu ihm sollten wir uns bewusst machen, dass wir nur das in seinem Namen erbitten, was auch seinem Willen entspricht.
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